FC Heimberg – FC Wattenwil, 20.05.2017

20.05.2017; 16:15 Uhr; Meisterschaftsspiel 20. Runde

FC Heimberg – FC Wattenwil 7:4 (3:2) 

Tore: 6. Stucki; 19. Herren (FCW); 20. Stucki; 21. Frosio; 38. Herren (FCW); 48. Wieland; 53. Wieland; 65. Krebs (FCW); 73. Dummermuth; 82. Beck (Penalty); 89. Fankhauser (FCW)

Aufstellung: Appert, Tripod, Fischer, Schober, Gurtner A., Stucki A., Frosio, Aeschbacher, Wieland, Jegerlehner, Gurtner M.

Ersatzbank: Beck, Dummermuth, Schneider, Studer, Wittwer J.

FCH ohne: Leu, Da Costa, Fahrni, Keller, Mohr, Stucki F., Wittwer D.

Verwarnungen FCH: –


Bei sommerlichen Verhältnissen standen sich in der 20. Spielrunde der FC Heimberg und der FC Wattenwil gegenüber. Letztgenannter Verein ist aufgrund der suboptimalen Tabellenposition dringend auf Punkte angewiesen, will man nächste Saison nicht in der 4. Liga antreten müssen. Die Heimberger ihrerseits peilen dank einer ordentlichen Rückrunde den dritten Platz an. Zudem sollte das Publikum auf dem Waldgarten Zeuge eines bisher nie gesehenen taktischen Experiments werden. Dazu später mehr.

Rein in die Partie. Die Heimberger versuchten den möglicherweise verunsicherten Gegner sofort unter Druck zu setzten. Mit Erfolg. Bereits nach 6. Minute brachte Stammtischjasser Adrian Stucki die Hausherren mit einem satten Schuss in Front. In den ersten zwanzig Minuten gelang es dem Heimteam den Gegner nahezu komplett vom eigenen Sechzehner fernzuhalten. Bis zu diesem Zeitpunkt lief Schlussmann Appert eher Gefahr sich einen Sonnenbrand denn einen Gegentreffer einzufangen. Dies änderte sich schlagartig. Nach einem Freistoss setzten die Wattenwiler entschlossen nach und erzielten den Ausgleich. Gleich mit ihrem ersten Torschuss waren die Gäste erfolgreich.

Kaum hatte Schiedsrichter Mosimann den Rapportbogen nachgeführt, fiel bereits der nächste Treffer. Stucki brachte die Heimtruppe postwendend wieder in Führung. Insbesondere Stucki startete mit einer gehörigen Portion Wut im Magen in die Partie, da er Coach Ramseier’s Schlachtplan nur wenig Begeisterung abgewinnen konnte. Ausgerechnet jener Stucki hatte nun also bereits zwei Treffer auf dem Konto. Wiederum liessen die Heimberger dem Schiedsrichter kaum genug Zeit das Matchtableau nachzuführen, bis es abermals klingelte. Am anderen Ende der Leitung meldete sich Romain Frosio als Torschütze. Der sympathische Ü30-Matador aus dem westlichen Teil der Eidgenossenschaft buchte den Treffer zum 3:1 mit einem gefühlvollen Linksschuss. Für Physiotherapeut Frosio war es der erste Saisontreffer. Vermutlich wäre dies gar Thema Nummer 1 auf dem Waldgarten geblieben, hätte Jürg Ramseier dem Romand nicht kurzerhand die Show gestohlen.

In der Mitte der ersten Halbzeit tauschte Taktikfuchs Ramseier nicht weniger als 5 (!!) Spieler zeitgleich aus. Mit einem Blockwechsel wie es die Hockeynationalmannschaften aktuell an der Weltmeisterschaft praktizieren, erneuerte der Coach Mittelfeld und Sturm rundum. Auf den ersten Blick hatte die Rochade keinen grossen Einfluss auf das Spielgeschehen. Das Spielgerät befand sich mehrheitlich in den Beinen der Blau-Schwarzen. Allerdings mangelte es dem FCH in dieser Phase etwas an Zielstrebigkeit, speziell im und um den Strafraum herum. So kam was kommen musste. Nach einem unglücklichen Klärungsversuch von Schlussmann Appert, stand FCW-Stürmer Herren plötzlich alleine vor dem Kasten. Souverän markierte er den Anschlusstreffer zum 3:2. Bis zur Pause fielen keine weiteren Tore.

 

Mit dem Pausentee stellten die Heimberger sämtliche Uhren zurück. Soll heissen: Block 2 nimmt vorerst wieder auf der Bank Platz, Block 1 startet in Durchgang Zwei. Und wie! Kurz nach dem Seitenwechsel entwischte Rakete Wieland der gegnerischen Hintermannschaft und donnerte die Pille zum 4:2 ins lange Eck. Trotz akuter Abstiegssorgen seines Herzensvereins 1860 München legte Wieland sogar noch einen drauf. Akrobatisch wie einst Thierry Henry pflückte die Nummer 8 einen langen Ball vom Himmel und nagelte die Kugel vorbei am staunenden Torhüter zum 5:2 ins Tor. Etliche Zuschauer werden vermutlich vor lauter Erstaunen am Montag mit heruntergefallenen Kinnladen zur Arbeit erschienen sein.

In der 65. Minuten schafften die tapferen Wattenwiler durch ein Prachtstor von Krebs nochmals den Anschluss. Beeindrucken mit welcher Effektivität die Gäste ihre Torchancen nutzten. Gefühlt produzierten sie aus drei Torschüssen ebenso viele Treffer. Allzu lange währte die Freude der Gäste jedoch nicht. Heimberger-Messi Christoph Jegerlehner düpierte im Alleingang die ganze Abwehrreihe und passte haargenau zur Mitte, wo Pascal Dummermuth nur noch einschieben musste. Das 6:3 war wohl die endgültige Entscheidung in dieser Partie. Wenige Minuten vor dem Treffer nahm Taktikgeneral Ramseier übrigens wiederum seinen Blockwechsel vor.

Ebenfalls im zweiten Block stationiert waren die Mittelfeldpuncher Schneider und Beck. Die beiden Hauptfiguren für den nächsten Treffer. Mit einem beherzten Dribbling tankte sich Storenmonteur Schneider bis in den Strafraum, wo er wie ein Rollladen zu Boden ging. Schiedsrichter Mosimann machte eine regelwidrige Intervention eines Gegenspielers für Schneiders Bruchlandung verantwortlich. Demnach entschied er auf Penalty für Heimberg. Den fälligen Strafstoss versenkte Patric Beck souverän im Kasten. Kurz vor dem Schlusspfiff gelang den Gästen noch der vierte Treffer. Ein Tor das lediglich zur Resultatkosmetik diente.

Unter dem Strich resultiert ein verdienter Sieg für das Heimteam. Über die gesamte Spieldauer betrachtet, waren die Heimberger sicher das aktivere und spielbestimmende Team. Leider konnte die defensive Stabilität der letzten Wochen nicht beibehalten werden. In diesem Bereich wird im kommenden Spiel sicherlich eine Steigerung von Nöten sein. Ob die Block-Strategie dauerhaft als probates Instrument in die ramseiersche Strategie-Schatulle aufgenommen wird, bleibt abzuwarten.

Die nächste Gelegenheit das Punktekonto zu nähren bietet sich bereits am kommenden Dienstag. Bereits um 19.00 Uhr tritt der FC Heimberg auswärts beim FC Reichenbach an. Die Kandertaler erwiesen sich in Vergangenheit als unangenehmer Widersacher. Auf dem heimischen Kunstrasen sammeln die Reichenbacher regelmässig Punkte. Man darf gespannt sein, mit welchem wohlberechneten Schachzug die Heimberger versuchen werden den Gegner auszutricksen. Bis dann!
#9 Pascal Dummermuth